Klimaangepasste Sportanlagen - Klima SAN

KLimanpassung von Sportanlagen - Erkenntnisse des Projektes KlimaSAN

Das Team des Forschungsprojektes „Klimaangepasste Sportanlagen“ hat im Auftrag des Bundesinstitut für Sportwissenschaft untersucht, welche Auswirkungen der Klimawandel auf Sportanlagen und Sporttreibende hat und welche Ansätzen zur Anpassung der Anlagen vorhanden sind. Dabei ging es nicht allein um funktionale Klimaanpassung, sondern vielmehr um eine Perspektive, in der Klimaanpassung mit weiteren Aspekten multifunktional zur Entwicklung zukunftsfähiger Sportanlagen zusammen gedacht werden kann. 

Der Klimawandel führt zu häufigeren und intensiveren Extremwetterereignissen, die sowohl die Infrastruktur als auch die Gesundheit der Nutzenden gefährden. Neben direkter Hitzebelastung und erhöhter UV-Strahlung zählen auch indirekte Folgen wie Luftverschmutzung, Allergene und Infektionskrankheiten zu den Risiken. Angesichts dieser schon spürbaren und sich in Zukunft noch verstärkenden Wetterextreme steht der Sportbetrieb vor neuen Herausforderungen. 

Ziel des Projekts KlimaSAN war es, praxistaugliche Maßnahmen zur klimaresilienten und nachhaltigen Gestaltung von Sportanlagen zu identifizieren, zu beschreiben und zu strukturieren. Diese wurden im Austausch mit Expertinnen und Experten aus Sportorganisationen, Kommunen, Forschung und Klimaanpassung entwickelt und in einem Maßnahmenkatalog strukturiert. 

Der Maßnahmenkatalog entlang der Themenfelder "Die Kühle Sportanlage", "Die vorsorgende Sportanlage" und "Der gesunde Sportbetrieb" umfasst Ansätze, die baulich, organisatorisch oder individuell umgesetzt werden können. Dies sind anderem die Verbesserung des Wassermanagements (z.B. durch Versickerungsflächen und Regenwassernutzung), die Begrünung und Verschattung von Flächen zur Reduktion von Hitzeinseln, die Auswahl hitzeresistenter Materialien sowie die Anpassung von Bewässerungssystemen. Organisatorische und individuelle Aspekte, wie die Sensibilisierung der Nutzenden für Klimarisiken oder das Verhalten im Training bei Hitze sind Teil des Maßnahmenkatalogs. Damit wurde den unterschiedlichen Vulnerabilitäten und den Möglichkeiten der Anpassung auf technisch-baulicher sowie organisatorischer und verhaltensbasierter Maßnahmen Rechnung getragen. Eine Anwendungsmatrix stellt die Abhängigkeiten zwischen Klimafolgen und Anpassungsmaßnahmen dar. 

Klimaanpassungsmaßnahmen für Sportanlagen sind nicht pauschal anzuwenden. Die Analyse von Gefährdung steht zu Beginn der Frage nach möglichen Maßnahmen zur Klimaanlassung. Zwei Aspekte sind hierbei entscheidend: die Exposition, also das Maß, in dem Mensch und Umwelt klimatischen Veränderungen ausgesetzt sind, und die Vulnerabilität, die beschreibt, wie empfindlich und anpassungsfähig sie auf diese Veränderungen reagieren. Da die Exposition und Vulnerabilität der Sportanlagen stark vom Standort abhängen, erfordert dies jeweils einen genauen Blick auf die jeweilige Anlage und die dafür geeigneten Maßnahmen. Hinzu unterliegt die Umsetzung der Maßnahmen Rahmenbedingungen wie Bau-, Planungs-, Naturschutzrecht, technischen Normen und trifft auf eine spezifische Akteurskonstellation vor Ort. Diese Vorgaben bestimmen, welche Klimaanpassungsmaßnahmen realisierbar sind. Welche Vulnerabilitäten vorliegen, kann anhand der im Projekt entwickelten "Checkliste Vulnerabilität" eingeschätzt werden. 

Die Auswahl der Klimaanpassungsmaßnahmen ist immer abhängig von den Gegebenheiten auf der jeweiligen Anlage wie etwa der angebotenen Sportarten, der Nutzungsintensität, umweltbezogenen Restriktionen und den Unterhaltungskosten. Ein im Projekt entwickeltes Planspiel ermöglicht es, die Umsetzung von Maßnahmen auf spezifischen Anlagen hin und mit den dazugehörigen Prozesse und Akteur:innen zu diskutieren. Damit 

Ein zentrales Ergebnis des Projekts ist, dass Klimaanpassung nicht isoliert betrachtet werden darf, sondern immer im Zusammenspiel mit anderen Zielen erfolgen sollte. Damit können die Maßnahmen zur Klimaanpassung einen Anlass darstellen, über die Zukunft der Sportanlage und der Sportausübung nachzudenken. Dabei kann es um die Ausrichtung der Sportanlage als Vereinsort gehen, z.B. die Frage, wie die sozialen Funktionen von Sportanlagen gestärkt werden können. Damit entstehen spannende Zukunftsszenarien für Sportanlagen.  

Entsprechend gestaltet können Sportanlagen eine wichtige Rolle für die gesamtstädtische Klimaanpassung spielen: Dann übernehmen Sportanlagen als kühle Orte an Hitzetagen, als Kaltluftentstehungsgebiete oder Bausteine der Starkregenvorsorge über die Sportausübung hinaus wichtige Aufgaben der urbanen Risikovorsorge und der Gesundheitsvorsorge. Klimaangepasste Sportanlagen können so letztlich zur Lebensqualität einer Stadt im Klimawandel beitragen. 

Deswegen ist das Fazit des Forschungsteams: Der Klimawandel verändert den Sport und das Sportverhalten grundlegend. Klimaanpassung sollte als ein zentraler Bestandteil zukünftiger Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen von Sportanlagen verankert werden, damit die Anlagen ihre vielfältigen Funktionen für Gesundheit, Bildung, Integration und gesellschaftlichen Zusammenhalt auch unter veränderten klimatischen Bedingungen erfüllen können. Das Projekt liefert eine Basis für weitere Forschungen und die Umsetzung in der Praxis, um das wichtige Thema der Klimaanpassung in der Sportstättenlandschaft weiter zu verankern. 

Forschungsteam

RPTU, Fachgebiet Umwelt- und Freiraumplanung

  • Prof. Dr. Anke Schmidt
  • M.Sc. Sara Sittinger

 

Projektpartner:innen:

RPTU, Fachgebiet Digitalisierung, Visualisierung und Monitoring in der Planung

  • Prof. Dr. Martin Berchtold

 

RPTU, Fachgebiet Physische Geographie

  • Prof. Dr. Sascha Henninger

 

HS Koblenz

  • Prof. Dr. Lutz Thieme
  • M.Sc. Matthias Weinfurter

 

Auftraggeber

Bundesinstitut für Sportwissenschaften (BiSp)

 

Projektlaufzeit

04/2024-03/2025

 

Abschlussbericht 

Hier ist der Abschlussbericht. 

 

Projektvideo

Hier können Sie ein zugehöriges Video anschauen. 

 

Vulnerabilitätscheckliste

Hier ist die Checkliste