Stadt- und Regionalentwicklung in Thüringen zwischen Klassik und Wandel

Thüringens ist durch eine kleinteilige Siedlungsstruktur mit historischen Orten und vielfältigen Stadt-Land-Verflechtungen geprägt, die vielfältige Ansatzpunkte für die Stadt- und Regionalentwicklung bieten. Auf der fünftägigen Fachexkursion im Frühjahr 2026 bekamen die Lehramtsstudierenden der Geografie einen vielschichtigen Einblick in die aktuellen Herausforderungen und Planungsansätze in Thüringen. Gegenstand waren Transformationsbedarfe, wie z.B. infolge des Klimawandels, der Energiewende oder des Strukturwandels, und die Handlungspotenziale von Kommunen und regionalen AkteurInnen am Beispiel von Erfurt, Jena, Weimar, Neuhaus, Oberhof und Apolda.

Eine erste Station führte ins Bauinformationsbüro der Stadt Erfurt. Die Einführung in die historische und aktuelle Stadtentwicklung Erfurts durch Herrn Treuse ließ sich anhand des Stadtmodells visuell gut nachvollziehen. Einblicke in den Städtebau und die Stadtentwicklung der DDR sowie in aktuelle Veränderungen des Stadtteils zwischen Aufwertung oder Rückbau gewährte die Begehung des Stadtteils Wiesenhügels. Am zweiten Tag standen die Klimaanpassung und Energiewende in Jena im Mittelpunkt. Herausforderungen der städtebaulichen Umsetzungen der Klimaanpassungsstrategie wurden im StadtLab durch Herrn Liebe und durch eine Stadtführung beleuchtet. In einer Ausstellung des Reallabors JenErgieReal wurde die Transformation zu einer nachhaltigen, autarken Energieversorgung der Stadt interaktiv und spielerisch zugänglich aufbereitet. Weimar beeindruckte während eines Stadtspazierganges mit der historischen Bedeutung und städtebaulichen Architektur. 

Einblicke in eine nachhaltigen Flächenumnutzung von Gewerbebrachen bot das Erfurter Unternehmen Dachgemüse, das als solidarische Landwirtschaft Erfurter KonsumentInnen mit Gemüsekisten versorgt. Später wurde in Neuhaus die Agentur Thüringer Produkte besucht. Beide Unternehmen treten für ein Bewusstseinswandel und eine Stärkung regionaler Wertschöpfungsketten im Lebensmittelbereich ein. Neben der klassischen Versorgung mit lokal produzierten Lebensmitteln fördert die Agentur eine landesweite Vernetzung regionaler Erzeuger und die Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse als wichtige Säule in der Regionalentwicklung. Die Bedeutung des Tourismus und des Sports für die Ortsentwicklung erlebten die Studierenden im besonderen Maße in Oberhof, bei der neben der städtebaulichen Entwicklung die Einblicke in Sportstätten wie Rodelbahn, Skihalle und Sprungschanzen ein Highlight darstellte. Abschließend brachte der Besuch in Apolda weitere Einblick in die Herausforderungen im Umgang mit historischer Baukultur in Kleinstädten am Beispiel der Umnutzung des Eiermannbaus.